Morgens vor dem Frühstück schon 42 tote Sauen!

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Morgens vor dem Frühstück schon 42 tote Sauen!

Ein Beitrag von Gerrit Strijkstra
Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Bersenbrück

Morgens um halb sieben ging das Telefon. Einer meiner Kollegen war dran mit der Frage: „ich muss gleich zu einem Fall mit vielen toten Sauen, was kann das denn sein?“. Landwirte, auch Tierarztkollegen, wollen gerne schnell einfache und eindeutigen Antworten. Vor allem schnell. Aber seine Frage konnte ich nicht beantworten. Erst sollte er eine adäquate Anamnese einholen und ich musste erst mal … frühstücken.

Anamnese

Der Betrieb ist ein Vermehrungsbetrieb mit 500 Sauen und Ferkelaufzucht. Ein kompletter Neubau, erst ein paar Jahre in Betrieb. Die Fütterung ist mit Trockenfutterautomaten realisiert. Der Betrieb hat einen eigenen Wasserbrunnen. Die Qualität des Wassers wurde regelmäßig kontrolliert, und es gab keine Beanstandungen. Die Stallluftemissionen werden durch einen Luftwäscher bearbeitet. In der Vergangenheit gab es Probleme mit der Futteraufnahme während der Säugezeit: Katabolismus und Hypogalaktie. Die Zahl der Umrauscher und Aborte war zu hoch und die Resultate auf dem Flatdeck waren nicht sehr gut, es gab zu viel Ausfall und im Wachstum zurückgebliebene Ferkel. Alles aber nicht unnormal für einen neu gestarteten Betrieb. Es gab ein paar tote Sauen mit einem blutenden Ulcus gastricus im Abferkelabteil, möglicherweise (mit)verschuldet durch Verfüttern von Natriumsalicylat.

In der vorangegangenen Nacht war ein Stromausfall. Als der Landwirt morgens in den dunklen Stall kam, war die Erdlecksicherung raus. Nach ein paar Mal probieren blieb die Sicherung drin und das Licht blieb an. Ungefähr eine Stunde später fingen diverse Sauen an, sich komisch zu verhalten und starben. Die Sauen zitterten, liefen unsicher herum und urinierten öfter. Sie hechelten, kamen zum Liegen und die Sauen mit diesen Symptomen starben. Auf dem Körper waren auffälligen blauen Flecken. Insgesamt starben 42 Sauen. Also: Tremor, Asynergie, Ataxie, Polyurie, Dyspnoe, Zyanose, Kollaps, Exitus, sehr ausgeprägten Livores mortis. Es waren praktisch keine toten Ferkel bei den säugenden Sauen. Auch auf dem Flatdeck waren keine erhöhten Ausfälle. Nach einige Stunden kam alles zur Ruhe, es kamen keine klinisch auffälligen Sauen dazu und es starben keine Sauen mehr. An den meisten Sauen war sowieso nichts zu sehen gewesen.


Klinische Differentialdiagnose

Als erstes wurde an einer Intoxikation gedacht, aber womit? Beim Ausfall der Ventilierung kann man an eine Vergiftung mit Schwefelwassersoff (H2S), Kohlendioxid (CO2) oder Kohlenmonoxid (CO, durch Gasstrahler) denken. Oder, wegen dem perakuten Verlauf, an Vergiftungen mit Organophosphate (OP(OR)(OR’)(OR’’)), Carbamate (R2N-COOH), Stickstoffoxiden (NO, NO2), Nitrit (-NO2⁻).

Es war wohl am besten einige Sauen zu sezieren. Zwei Stunden später waren vier tote Sauen in den Sektionssaal der Praxis.

Fig. 1. Sektionshalle. Die nun folgenden Fotos zeigen die meist aussagefähigen Fotos der Makropathologie dieser vier toten Sauen.

Fig. 2. Sehr ausgeprrägte Livores mortis.
Fig. 3. Dunkelrotes bis braunrotes Blut aus der Nase.
Fig. 4. Blauviolette Färbung des Vestibulum vaginae.
Fig. 5. Blauviolette Färbung von Pharynx-Larynx.
Fig. 6. Bräunliche Verfärbung der Lunge.
Fig. 7. Hämoperikard und Blutfarbstoffimbibition.
Fig. 8. Mageninhalt: Futter und Wasser, noch keine Verdauungstätigkeit.
Fig. 9. Sehr dunkles Blut (schokoladenfarbenes?).
Fig. 10. Mageninhalt mit hochem Nitrit. Aber woher?

Diagnose

Schon schnell kam, während der Sektion, der Verdacht auf eine Nitritintoxikation, dass es mit der Wasserversorgung zu tun haben konnte. Darum sind umgehend Proben aus allen vorhandenen Tränkewasserreservoire genommen worden. Diese Proben sind auf Nitrat und Nitrit untersucht. Es wurden Werte bis zum 3250 mg Nitrit pro Liter gefunden, das ist sehr sicher eine toxische Konzentration. Um verstehen zu können, wie derart hohe Nitrit-Konzentrationen ins Trinkwasser gelangen konnten, müssen einige Details der Wasserversorgung und das Luftwassersystem näher betrachtet werden.

Ein Luftwäscher sprüht Wasser in die den Stall verlassende Luft. Das im Luftwäscher versprühte Wasser nimmt Staub, Bakterien, Pilze und auch Gase, wie NH₃ oder CO₂, aus der Stallluftemission auf. Wasser, das unten im Filtersystem ankommt, wird in den sogenannten “Luftwäscherwasserbecken” aufgefangen. Dieses Wasser wird wieder benutzt. Nicht wenig dieses Wassers verdampft und muss ersetzt werden durch das Wasser aus dem Tränkewassersystem. Wenn Wasser nachgefüllt werden muss, öffnet sich ein Magnetventil. Siehe dazu Fig. 11: eine wundervolle schematische Zeichnung des Luftwassersystems.

Das frische Wasser wird im Luftwäscherwasserbecken unter der Wasseroberfläche eingeleitet (siehe Zirkel in der Zeichnung Fig. 11). Das Luftwäscherwasserbecken befindet sich über den Stallabteilen, der Druckwasserkessel für das Tränkewasser ist ebenerdig. Der Druck in den Wasserleitungen wird realisiert durch einen offenen Windkessel ohne Membrane (Fig. 11.: „Wasserkessel“). Bei Stromausfall kann kein Wasser mehr aus dem Brunnen in den Kessel gepumpt werden. Das Tränkwassersystem funktioniert so lange, bis das Wasser aus dem Windkessel-Wasserfass aufgebraucht ist. Es kommt dann nur Druckluft im Wasserleitungssystem an. Bis kein Druck mehr da ist.

Zeichnung Luftwassersystems
Fig. 11. Die wundervolle schematische Zeichnung des Luftwassersystems.

Fig. 12. Luftwäscherwasserbecken mit “Ursuppe“
Fig. 13. Unterseite ds Luftfilters mit herunterfallenden Wassertropfen

Wie kam das Nitrit ins Trinkwasser?

Das Wasser aus dem Luftwäscherwasserbecken konnte in den Wasserkessel hebern, denn das Magnetventil war offen und das Rückschlagventil (siehe Fig. 11) war defekt. Als die Elektrizität wieder angeschaltet wurde, wurde Wasser aus dem Brunnen in den teilweise mit Wasser aus dem Luftwäscherwasserbecken gefüllten Wasserkessel gepumpt. Eine Mischung von einigen hundert Litern Wasser aus dem Luftwäscherwasserbecken mit frischem Brunnenwasser wurden so in dem Tränkewassersystem gedrückt.

Das Wasser im Luftwäscherwasserbecken ist stark verunreinigt. Chemische und bakterielle Umsetzungen produzieren große Mengen -NO₃⁻ (Nitrat) und NO₂⁻ (Nitrit). Die ersten Sauen, die morgens aufstanden, um zu trinken, nahmen so viel Nitrit auf, dass es für 42 Tieren tödlich war.


Warum Sterben Tiere an Nitrit?

Der Mechanismus einer Nitritintoxikation zur Erinnerung:

  • Hämoglobine-Fe²⁺ kann oxygeniert und deoxygeniert werden
  • Oxygenierung: Hb-Fe²⁺4H⁺ + 4O₂ → Hb-Fe²⁺4O₂ + 4 H⁺
  • Nitrit oxidiert Hämoglobine-Fe²⁺ zu Methämoglobine-Fe³⁺. Methämoglobine-Fe³⁺ kann fast nicht oxygeniert werden, es kann zu einem Sauerstoffmangel in allen Geweben führen.
  • Methämoglobine-Fe³⁺ ist bräunlich, daher das “schokoladebraune“ Blut.
  • Normal im Tier vorhandene Methämoglobine-Reduktase kann Methämoglobine-Fe³⁺ reduzieren zu Hämoglobine-Fe²⁺, zwar langsam. Oxygenierung und Deoxygenierung sind dann wieder möglich.

Aufarbeitung

Die Makropathologie ergab im Prinzip genügend Hinweise für die Diagnose Nitritintoxikation. Hinweise für einen Erstickungstod und das schokoladebraune Blut sind dafür typisch.

Für die obligatorische juristische und versicherungstechnische Abwicklung dieses Falles sind exakte Messungen von Nitrit-Gehälter absolut notwendig.

Zum Glück sind die Proben früh genug genommen worden. Wenn das Tränkewassersystem mit Brunnenwasser aufgefüllt wird, wird die Nitritkonzentration im Wasserkessel immer mehr verdünnt, bis wenig oder nichts mehr zu finden ist. Damit ist nichts beweisbar.


Epilog

Ein Vertreter der Wasserinstallationsfirma kam nach ein paar Tagen und hat den Wassereinlauf im Luftwäscherwasserbecken über der Wasseroberfläche abgesägt. Ein harter Hinweis für die Versicherung. Es entstand ein bedeutender Schaden, nicht nur die 42 tote Sauen, es gab einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Betriebsergebnisse.

Fig.14. Pfeil links: Wasserstand im Luftwäschewasserbecken
Pfeil rechts: der abgesägte Wassereinlass,
Zeichnung Luftwassersystems Ursache
Kleine Ursachen haben große Folgen.

Coronaviren – auch in der Fresseraufzucht ein Problem?

Ein Fallbericht aus der Praxis

Der Betrieb:

Ein Fresseraufzuchtbetrieb mit 100 neu eingestallten Braunviehkälbern im Trockenstall am Milchautomaten

Das Krankheitsgeschehen:

Es verweigerten vermehrt Kälber die Milchaufnahme (ca. 15 % der Tiere). Das Allgemeinbefinden der Kälber verschlechterte sich zunehmend und einige Kälber entwickelten Fieber bis 39,8°C.

Teilweise kam Durchfall hinzu.
Plötzliche Todesfälle ab dem 4. Tag nach Einstallung

Das Vorgehen:

  • Wechsel des Milchpulvers – vom Nullaustauscher auf ein MAT mit 30% Magermilchanteil.
  • Behandlung gegen E. coli.
  • Bereitstellung einer Elektrolyttränke
  • Durchführung einer Sektion
  • Weiterführende Untersuchung der Lunge und des Dünndarms
Durchfallerkrankung
Äußere Ansicht: man beachte die kahle Stelle im Anusbereich, welche auf eine frühere Durchfallerkrankung hinweist.
Dünndarm
Dünndarm: hochgradige Entzündung mit Fibrinausschwitzung und hochgradiger Verdickung der Darmwand (Enteritis chronica hypertrophicans), Darmzottenatrophie

Die Befunde der Untersuchungen:

Bovine Coronavirus Real-Time RT-PCR

ErregerLungeDünndarmCt-Wert
BRSVNegativ
Parainfluenza 3Negativ
Mycoplasma bovisNegativ
Bovines RotavirusNegativ
Bovines CoronavirusPositivPositiv28,7
BVDNegativ
E. coliPositiv

Der Erreger:

Ein behülltes RNA Virus der Familie Coronaviridae, dessen Überlebensfähigkeit außerhalb eines Organismus gering ist.
Leicht durch Detergenzien inaktivierbar.
Ältere Rinder dienen als Erregerreservoir.

Da ein Virus nicht gerichtete „Anpassungen“ vornehmen kann, entstehen neue Eigenschaften durch zufällige Mutationen (Veränderungen im Erbgut) oder durch Rekombination verschiedener Coronaviren. Coronaviren haben durch ihre

fehleranfällige RNA-Polymerase, welche für die Vervielfältigung der Erbinformationen zuständig ist, eine hohe Mutationsrate.

In einer Studie von Oma et al. Virology Journal (2016) konnten keine RNA-Viren im Blut, jedoch noch nach 42 Tagen nach Infektion im lymphatischen Gewebe der Kälber nachgewiesen werden.

Die Klinik:

  • Das Bovine Coronavirus ist ein Mitverursacher des schweren Kälberdurchfalls bei Neugeborenen
  • Beteiligung am Rindergrippe-Komplex (BRDC: bovine respiratory disease complex)
  • Häufig auch nach Stresssituationen wie Transport oder Futterumstellung
  • Kommt überall in der Umwelt vor
  • Die Sterblichkeitsrate der Kälber kann bis zu 20% betragen
  • Rasante Virusvermehrung und -verbreitung
  • Verursacher der Winterdysenterie bei Kühen

Mögliche Prophylaxemaßnahmen:

  • Mutterschutzimpfung: Die Mutterkuh wird vor der Geburt mit einem Impfstoff gegen Neugeborenendurchfall (Rota und Corona Viren, E. Coli) geimpft. Die von der Kuh gebildeten Antikörper und Abwehrstoffe werden mit dem Kolostrum von dem Kalb aufgenommen und Schützen das Kalb vor Infektionen (passive Immunisierung).
  • Gründliche Reinigung und Desinfektion des Stalls nach jedem Durchgang
  • Zwischendesinfektion des Stallbodens mit Brandkalk

Die Behandlung:

  • Bereitstellung einer Elektrolytlösung
  • Behandlung der bakteriellen Sekundärerkrankung mit entsprechender Antibiose nach Resistenzlage
  • Behandlung des Fiebers mittels Fiebersenker und Schmerztherapie (Vorsicht Schleimhautreizung)
  • Zusätzliche Einzeltierbehandlung von schwer erkrankten Tieren mittels Infusion von Glucose Lösung, Natriumbicarbonat, physiologischer Kochsalzlösung und Vitaminen
  • Möglichkeit der Verabreichung kolostraler Antikörper
  • Isolierung von Kälbern mit hochgradigem Durchfall

Weiterer Verlauf:

Nach dem Wechsel des Milchaustauschers und einer angepassten Behandlung ging es den Kälbern einige Tage später besser. Die akut erkrankten Kälber (Darmentzündung) waren jedoch noch länger geschwächt und mussten weiterhin behandelt werden. Die Verlustrate in diesem Fallbeispiel lag bei 5%.

Eine akute Infektion mit dem Bovinen Coronavirus in diesem Lebensalter ist eher untypisch, wird aber in der Praxis immer häufiger beobachtet. Eine bakterielle Sekundärinfektion verschlimmert das Krankheitsbild zusätzlich. Als Therapie kommen bei viralen Infektionen nur symptomatische Behandlungen in Betracht. In anderen Fällen kam es auch zu starkem Durchfall, der bis zu 2 Wochen andauerte.

Infusionstherapie
Foto: Tierarzt R. Enache bei der Durchführung einer Infusionstherapie

Bericht Top Agrar 09/2020

Guter Start für gesunde Fresser

Um Fresser von verschiedensten Milchviehbetrieben gesund aufzuziehen, sind alle Beteiligten gefordert. Welche Voraussetzungen für einen guten Start die Ursprungsbetriebe, die Transporteure und die Aufzuchtbetriebe erfüllen müssen, berichten ein Tierarzt und ein Praktiker.

Bericht aus der ‚Top Agrar‘ 09/2020
mit Waldemar Debletz (rechts), Tierarzt der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis BSB, als Experten.
Foto: Heil
Autorin: Katharina Lütke Holz


Eine Gruppe von 100 Fressern kommt nicht selten von 95 ver- schiedenen Milchviehbetrieben.

Diese füttern die Kälber unterschiedlich, führen verschiedene Prophylaxemaßnahmen durch und unterscheiden sich in der Keimbelastung auf ihren Betrieben. Das macht die erfolgreiche Fresseraufzucht zur Herausforderung.

Erfahrungen von spezialisierten Tierärzten zeigen, dass Impfungen direkt nach der Ankunft der Kälber auf den Fresseraufzuchtbetrieben den Start deutlich erleichtern: Die Kälber erhalten dann am Tag des Einstallens eine Impfung gegen die Atemwegserreger BRSV, Parainfluenza 3 und M. haemolytica und eine Versorgung mit Vitaminen.

Aufgrund der Vielzahl der Herkunftsbetriebe ist aus Tierschutzgründen häufig zusätzlich eine metaphylaktische Antibiotikabehandlung der ganzen Gruppe gegen Atemwegs- und Durchfallerreger unumgänglich.

Diese Antibiotikabehandlung steht jedoch in der Kritik. In der Aufzucht versuchen Tierärzte sie gemeinsam mit Landwirten zu reduzieren. Denn das Ziel von spezialisierten Fresseraufzüchtern ist, eine gute Tiergesundheit und damit hohe Tageszunahmen von etwa 1250 g/Tag bei möglichst geringem Medikamenteneinsatz zu erreichen. Das gelingt, indem die Betriebsleiter die Haltung und das Betriebsmanagement ständig weiter optimieren.


Gut vorbereitet

Erhalten Bullenkälber bereits im Herkunftsbetrieb eine optimale Versorgung, erleichtert das ihre Gesunderhaltung während und nach dem Transport und senkt die Therapiehäufigkeit. Auch wenn sich einige Prophylaxemaßnahmen auf den Milchviehbetrieben mit niedrigen Verkaufspreisen für Bullenkälber kaum finanzieren lassen, verbessern sie auch die Herdengesundheit insgesamt. Die wichtigsten Maßnahmen auf Milchviehbetrieben, die Bullenkälber über Viehhändler oder Märkte in die Fresseraufzucht verkaufen, sind:

  • Kälber sollten ausreichend hygienisches und hochwertiges Kolostrum innerhalb der ersten Lebensstunden erhalten. Das ist der beste und wichtigste Schutz gegen frühe Infektionen.
  • Eine Eisengabe nach der Geburt. Diese kann Blutarmut der Kälber vorbeugen, verbessert ihre Zunahmen und Immunabwehr. Zusätzlich fördert eine Injektion von Vitamin E und Selen die unspezifische Immunabwehr.
  • Der Einsatz von Mutterschutzimpfungen bei den Kühen gegen Durchfallerreger wie E. coli, Rotavirus und Coronavirus und/oder Atemwegserreger. Anschließend nehmen die Kälber mit dem Kolostrum von der Mutter gebildete Abwehrstoffe auf.
  • Die erste Impfung der Kälber ab dem achten Lebenstag gegen die Atemwegserreger BRSV, Parainfluenza 3 und M. haemolytica. Diese hält bis zu zwölf Wochen an, sodass sie im Fresseraufzuchtbetrieb wiederholt werden kann.

oben Ein Teil der Lunge ist nach einer Mykoplasmen-Infektion abgestorben.
links Von Kokzidien ausgelöster Durchfall beim Fresser.
Fotos: Debletz

  • Stark mit Kokzidien belastete Milchviehbetriebe sollten ihre Kälber frühzeitig mit einem Kokzidiostatikum behandeln, um die Erregerausbreitung bei den Kälbern zu vermeiden. Durch Kokzidien kommt es auf Fresserbetrieben teilweise am Tag des Einstallens zu blutigem Durchfall mit tödlichem Verlauf.
  • Kein mit Mykoplasmen belastetes Kolostrum verfüttern und betroffene Kühe merzen. Mykoplasmen lösen chronische und schwer therapierbare Entzündungen der Lunge, der Gelenke oder des Mittelohres aus. Die Kälber infizieren sich z. B über Milch betroffener Kühe, erkranken aber erst nach Stresssituationen, wie dem Transport.
  • Saubere Enthornung in zeitlich ausreichendem Abstand zum Transport. Wenn Kälber nicht oder nicht ausreichend enthornt sind, zeigt sich das oft erst Wochen nach dem Einstallen. Zu diesem Zeitpunkt bedeutet eine Enthornung mit Betäubung durch den Tierarzt jedoch viel Stress für die Tiere. Für die Aufzüchter steigen zudem der Arbeitsaufwand und die Kosten.
  • Kälber auf Nabelentzündungen und Nabelbrüche kontrollieren und behandeln. Denn auf dem Herkunftsbetrieb ist die Behandlung meist unkompliziert, während eine verschleppte Entzündung deutlich schwerer zu behandeln ist und den Kälbern stärker zusetzt.


Wenig Stress, viel Hygiene

Neben der Versorgung der Kälber auf den Herkunftsbetrieben spielen Transport- und Einstallbedingungen eine wichtige Rolle in der Fresseraufzucht:

  • Kurze Aufenthaltszeiten auf Märkten und ein zügiger Transport, möglichst ohne Unterbrechung, tun den Kälbern gut. Hilfreich ist auch, sie vor dem Transport mit einem Antazidum zu versorgen, das die Magensäure puffert. Denn lange Transport- und unregelmäßige Tränkezeiten verursachen Stress und können Labmagenentzündungen und -geschwüre hervorrufen. Solche Kälber trinken nicht mehr und brauchen eine intensive Behandlung.
  • Kälber in sauberen, desinfizierten und trockenen Stall einstallen, der im Rein-Raus-Verfahren betrieben wird. So lässt sich der Keimdruck senken.
  • Ein gezieltes Impfprogramm sollte mit dem betreuenden Tierarzt abgestimmt sein. Treten während der Aufzucht gehäuft Probleme auf, sollte der Tierarzt die Ursache über weiterführende Diagnostik wie Kot- und Lungenspülproben oder Sektionen ermitteln.
  • Optimal für Fresser sind Offenställe oder gut gelüftete Warmställe. Insbesondere in Warmställen, in denen die feuchte Luft im Winter stehen bleibt, beobachten Tierärzte deutlich mehr Probleme mit Lungenerkrankungen.

Klares Konzept zahlt sich aus

Der Fresseraufzuchtbetrieb der Familien Harting und Kühling erreicht Tageszunahmen von 1250 g pro Tag. Grundlage dafür ist Konsequenz in den Bereichen Tiergesundheit und Fütterung.

Dorthe Harting ist froh, dass sie durch die Automatisierung im Stall viel Zeit für die Tierbeobachtung hat.

Denn die Arbeit mit den Tieren begeistert sie. Gemeinsam mit ihrem Mann Andreas und ihren Eltern Christiane und Walter Kühling sowie einem Angestellten bewirtschaftet Dorthe Harting den Betrieb mit 950 Fresseraufzuchtplätzen an drei Standorten in Lüsche im Landkreis Vechta (Niedersachsen).

Vor 35 Jahren ist Walter Kühling in die Fresseraufzucht eingestiegen. „Das war eine gute Lösung für einen flächenarmen Betrieb. Milchviehbetrieb Doch der Start ist nicht einfach, denn Fresseraufzüchter sind nicht so gut vernetzt wie z.B. Milchviehbetriebe“, sagt er. Darum ist die Familie besonders stolz darauf, dass sie inzwischen ihr Ziel erreicht hat und mit einem festen Abnehmer für ihre Tiere arbeiten kann: Sie verkauft alle Fresser nach der Aufzucht mit 200 bis 230 kg Lebendgewicht in großen Partien an den gleichen Bullenmastbetrieb. „Wir machen quasi die Vorarbeit, damit die Bullenmast reibungslos läuft. Alle Tiere erhalten bei uns die nötigen Impfungen und Entwurmung und haben beim Verkauf den gleichen Gesundheitsstatus“, erklärt Walter Kühling. Zugleich hat der Betrieb eine Abnahmesicherheit und kann Ausstalltermine besser planen. Doch bis zum Verkauf ihrer Fresser ist es ein langer Weg.

Walter Küling und Tierarzt Waldemar Debletz kontrollieren die neu eingestalten Fresser. Foto: Kühling


Die ersten Tage sind die Basis

Den überwiegenden Teil der Kälber kauft die Familie direkt auf Viehmärkten wie Bayreuth und Miesbach in Bayern. Das erledigen Einkäufer für sie, die ihre Ansprüche kennen. Die Kälber sind zu dem Zeitpunkt vier bis sechs Wochen alt und wiegen zwischen 70 und 95 kg. Nach der Versteigerung werden sie verladen und auf direktem Weg nach Lüsche transportiert. „Wir stallen wöchentlich Gruppen von 30 bis 50 Kälbern ein. Sie stammen meist von genauso vielen einzelnen Herkunftsbetrieben“, erklärt Dorthe Harting. Daher versuchen die Betriebsleiter, den Kälbern durch verschiedene Maßnahmen zu einem guten Start zu verhelfen.

Die Ställe bewirtschaften sie im Rein- Raus-System und waschen und desinfizieren sie nach jedem Durchgang. Bei der Ankunft erhalten die Kälber eine Grippeschutzimpfung.

Diese wiederholt der Betrieb in Absprache mit den betreuenden Tierarztbrüdern Dr. Eduard und Waldemar Debletz während der Aufzucht noch zwei weitere Male. Das schafft eine gute Grundlage für einen hohen Gesundheitsstatus.

Die Familie versucht, das Einstallen möglichst stressfrei zu gestalten: Nach der Ankunft sollen die Kälber zunächst einige Stunden in der neuen Umgebung zur Ruhe kommen, dabei haben sie Wasser zur freien Verfügung. Nach drei bis fünf Stunden tränken die Betriebsleiter sie das erste Mal an.

Trotz der guten hygienischen Einstallbedingungen ist der Krankheitsdruck durch die verschiedenen Herkünfte massiv.


„Meine Wunschvorstellung ist deshalb, dass wir irgendwann Kälber einstallen können, die bereits auf dem Herkunftsbetrieb eine Grippeschutzimpfung erhalten haben“, sagt Walter Kühling. Seine Tochter ergänzt: „Für vorher geimpfte Fresser sind wir bereit, mehr zu zahlen.“ Denn diese hätten damit bereits beim Transport eine bessere Immunabwehr, auch gegen andere Erkrankungen. Bei der Ankunft auf dem Aufzuchtbetrieb könnten diese Kälber dann bereits die erste Wiederholungsimpfung erhalten.

Für Kälber, die bereits krank auf den Betrieb kommen oder sich schlecht entwickeln, können die Betriebsleiter Nachforderungen an den Einkäufer stellen. Dafür benötigen sie einen tierärztlichen Nachweis über die Erkrankung. Neben der Hygiene und den Impfungen trägt auch das Stallklima entscheidend zur Gesundheit bei. „Im Winter oder wenn die Außenluft feucht ist, heizen wir den Vorraum des Stalles mit Gasstrahlern“, erklärt Walter Kühling. So enthält die Außenluft weniger Feuchtigkeit, wenn die Lüftung sie in den Stall saugt.


links und oben Dorthe Harting setzt auf die automatische Fütterung, um Arbeitszeit zu sparen. Fotos: Harting, Heil

Fütterung mit System

Vom ersten Tag an füttert die Familie die Fresser mit einer Trockenen Totalen Mischration (Trocken-TMR), die sie im Laufe der ersten Woche langsam mit Kraftfutter versetzen. An dem größten der drei Betriebsstandorte mischt ein Fütterungsroboter die Ration und legt sie vor. Die Kraftfuttermenge in der Ration steigt in der Tränkephase langsam. Das Abtränken der Fresser beginnt jedoch erst, wenn die Tiere im Schnitt täglich 1,5 kg Kraftfutter fressen. So sind die Kälber meist nach etwa 40 Tagen Tränkezeit abgetränkt. Ein Energieloch während dieser Wechselphase versuchen die Betriebsleiter durch die zusätzliche Fütterung von Futterfetten zu vermeiden. Diese erhalten die Kälber acht Tage vor bis acht Tage nach dem Abtränkzeitpunkt über die Mischration – also während des Übergangs von Milch und Trocken- TMR auf Maissilage und Kraftfutter.

Durch die konsequenten Prophylaxemaßnahmen und die kontrollierte Fütterung erreichen die Fresser durchschnittliche Zunahmen von 1200 bis 1250 g/Aufzuchttag. Um die Fütterung noch enger kontrollieren und anpassen zu können, plant Dorthe Harting die Kälber künftig auch während der Aufzucht mit einer Waage für Kleingruppen zu wiegen.

Die Verlustrate liegt auf dem Betrieb bei 1 bis 1,5 %. Walter Kühling geht davon aus, dass sich die Tiergesundheit durch die Zusammenarbeit mit dem Bullenmastbetrieb noch weiter verbessert: „Wir bekommen regelmäßig Rückmeldungen, wie sich die Fresser entwickeln. So können wir unsere Arbeitsweise ggf. anpassen.“

Fortbildung: Lawsonia Intracellularis – der unsichtbare Feind

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Tierärztliche Gemeinschaftspraxis BSB und die Firma MSD Tiergesundheit möchten Sie herzlich zu einer Fortbildung für Tierärzte am 01.09.2020 einladen.

Das Thema lautet:

„Lawsonia Intracellularis – der unsichtbare Feind“

In den Vorträgen werden neueste Erkenntnisse zum Erreger und moderne Wege der Bekämpfung von Lawsonia intracellularis behandelt. Nach den Vorträgen bleibt ausreichend Zeit zur Diskussion.

Die Veranstaltung wird als Online‐Live‐Webinar durchgeführt, die Einwahldaten erhalten Sie E‐Mail.

Programm:

  • 18:30 Uhr – Dr. med. vet. Eduard Debletz: Begrüßung und Einführung in die Fortbildung
  • 19:00 – 20:00 Uhr ‐ Dr. med. vet Christine Renken: Lawsonia intracellularis – wichtiges zum Erreger
  • 20:15 – 21:15 Uhr ‐ Dr. med. vet. Johanna Vogels: Diagnostik und neue Möglichkeiten der Bekämpfung von Lawsonien
  • Ca. 21:30 Uhr Ende der Veranstaltung

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme

Bitte melden Sie sich unter Tel. 05439 80830 bis zum 28.08.2020 an. Schnell sein lohnt sich, begrenzte Teilnehmerzahl!

Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration

Ab dem 01. Januar 2021 ist das betäubungslose Kastrieren von männlichen Ferkeln für deutsche Ferkelerzeuger nicht mehr zulässig. Hierzu möchten wir die Landwirte mit ausführlichen Informationsmaterialien über die alternativen Methoden informieren und Entscheidungshilfen aus der Praxis und Wissenschaft an die Hand geben.

Das bisher gängige Kastrieren männlicher Ferkel ohne Betäubung ist bekanntlich noch bis zum 31.12.2020 zulässig. Bis dahin müssen die Schweinehalter eine Entscheidung getroffen haben, welche Alternative zukünftig am besten zu ihrem Betrieb passt.

Die Tierärztliche Gemeinschaftspraxis BSB hat hierzu Informationen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern in Form eines Videobeitrags zusammengestellt, um den Ferkelerzeugern eine Entscheidungshilfe aus Praxis und Wissenschaft an die Hand zu geben. In diesen umfassenden Filmen wird über die alternativen Methoden Jungebermast, Jungebermast mit Immunokastration, Isoflurannarkose und Injektionsnarkose gesprochen. Es werden Vor- und Nachteile gegenüber gestellt und über organisatorische Voraussetzungen und betriebswirtschaftliche Konsequenzen diskutiert.

Eine Informationsbroschüre können sie unter folgendem Link herunterladen:
Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration (PDF)

Weitere Erfahrungsberichte, Informationen zu Vermarktungsmöglichkeiten, Tierschutzaspekten oder den Blick ins Ausland liefert die Website www.praxis-agrar.de


Zoetis Deutschland GmbH – Improvac

In der Videoreihe auf YouTube wird über die Alternativen zur betäubungslosen Kastration gesprochen und insbesondere über die Immunokastration mit Improvac.

Vortrag Andreas Kracke, Geschäftsbereichsleiter Schwein und Geflügel, Zoetis Deutschland GmbH


Ferkelnarkose mit Isofluran

Zur Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls werden landwirtschaftliche Betriebe bei der Anschaffung von Narkosegeräten für die Ferkelkastration (Isoflurannarkose) durch Zuwendungen finanziell unterstützt. Ferkelerzeuger, die in ein Narkosegerät investieren wollen, können dafür noch bis zum 1. Juli 2020 Fördermittel beantragen:

https://www.ble.de/DE/Projektfoerderung/Foerderungen-Auftraege/Bundesprogramm_Ferkelnarkose/Bundesprogramm_Ferkelnarkose_node.html

  • Die Anschaffung von Ferkelnarkosegeräten wird mit bis zu 60 Prozent der Gerätekosten bzw. maximal mit bis zu 5.000 EUR je Unternehmen gefördert.
  • Antragsberechtigt sind Kleinst-, kleine oder mittlere Unternehmen der landwirtschaftlichen Primärproduktion im Sinne von Anhang I der AgrarGVO, die im Bereich der Ferkelerzeugung tätig sind.
  • Bitte achten Sie darauf, dass das Narkosegerät erst nach Bewilligung des Förderantrags angeschafft wird. Für bereits vorhandene oder vor Antragstellung bzw. dessen Bewilligung gekaufte Narkosegeräte wird keine Förderung gewährt.
  • Förderfähig sind nur solche Narkosegeräte, die von einer nach DIN EN ISO 17025 akkreditierten Stelle in Bezug auf Aspekte des Tierschutzes, der Anwendersicherheit und des Umweltschutzes zertifiziert sind.

Info Fördermittel Isoflurannarkose (PDF)


Vortrag Dr. Hendrick Nienhoff Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Kastration – oder am 31.12.2020 ist Schluss

Plötzlich tote Sauen

Vortrag Drs. Gerrit Strijkstra zum Thema ,,plötzlich tote Sauen“.

In seinem Vortrag berichtet Drs. Strijkstra über Fallbeispiele aus der Praxis, in denen es um akut verendete Sauen geht. Ein Grund für das Verenden der Sauen war zunächst nicht ersichtlich. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, wurde bei diesen Sauen eine Sektion durchgeführt. Die Befunde aus den Sektionen werden in diesem Vortrag kurz erläutert.

Mycoplasmeninfektionen durch Fehler im Bestandsmanagement

Fallbeispiel aus der Praxis

Der Betrieb

Ein Fresseraufzuchtbetrieb mit 50 Kälbern je Gruppe im Warmstall auf Spalten mit Eimertränke.

Im Jahr 2019 kam es über Monate hinweg vermehrt zu Mittelohrentzündungen mit Kopfschiefhaltung bei den Kälbern. Diese Tiere blieben in der folgenden Mast deutlich zurück und waren anfällig für erneute Atemwegsinfektionen.

Im Stall fiel eine schlechte Luftqualität mit zu hoher Luftfeuchtigkeit auf. Dieses Problem ließ sich schnell durch eine Änderung der Lüftungseinstellung ändern. Die Durchflussrate an den Tränkenippeln erschien zu gering und wurde erhöht. Weiterhin wurde die Milchphase von 30 auf 42 Tage erhöht, um die Kälber stabiler zu bekommen.

Zur Klärung der Ursache wurden beim ersten Bestandsbesuch fieberhaft erkrankte Tiere beprobt. Die Ergebnisse der Untersuchungen bestätigten den Verdacht, dass es sich hier um Mycoplasmen-Infektionen handeltete. Daneben konnten noch Pi3 und Pasteurellen nachgewiesen werden.

Ergebnis der labordiagnostischen Untersuchung vom Nasentuper des erkrankten Kalbes
Klinisches Bild einer Otitis media mit Kopfschiefhaltung

Postmortale Diagnostik in der Sektionshalle 

Behandlungsplan 

Anhand der Befunde wurde ein neues Impfregime für den nächsten Durchgang erstellt. Die Kälber werden jetzt zweimalig intramuskulär gegen BRSV und Parainfluenza geimpft. Eine dritte BRSV Impfung schützt die Fresser zusätzlich im weiteren Verlauf der Bullenmast. Weiterhin wurde ein neues Behandlungsschema erstellt, das speziell gegen Mycoplasmen ausgelegt ist. 

Die durchgeführten Maßnahmen zeigten schnellen Erfolg, so dass kaum noch Einzeltiere akut behandelt werden müssen und sich die Kälber einheitlicher entwickeln. Mittelohrentzündungen traten bis dahin nicht mehr auf. 

Das Fallbeispiel zeigt, dass sich Mycoplasmeninfektionen häufig durch eine Optimierung des Betriebsmanagements und angepasste Behandlungen bzw. Impfungen deutlich reduzieren lassen. 

Linke Lungenhälfte vom Kalb: Schwerwiegende Pneumonie, bei der oblitierende, eitrige Bronchiolitiden und multiple Nekroseherde im Lungenparenchym vorliegen. Diese käsigen Nekrosen wurden verursacht durch einen hgr. Befall von Mycoplasma bovis. 

Der Erreger 

Mycoplasmen sind Bakterien mit vielen unterschiedlichen Subtypen. Sie besitzen im Gegensatz zu anderen Bakterien keine Zellwand, was zu einer natürlichen Resistenz gegenüber Antibiotika führt, die in die Zellwandsynthese eingreifen (z.B. β-Laktam Antibiotika wie Amoxicillin). Mycoplasma bovis gehört zu den pathogensten Mykoplasmenarten für das Rind. Sie führen bei Kälbern zu unterschiedlichen entzündlichen Pneumonien und teils sogar schwerwiegenden Nekrosen mit einhergehenden Lungenläsionen. Weitere klinische Anzeichen neben Pneumonien sind Arthritiden, Mastitiden oder Mittelohrentzündungen, die durch Mycoplasmen hervorgerufen werden können. 

Mycoplasmen werden auch bei klinisch gesunden Kälbern in den oberen Atemwegen nachgewiesen. Kommt es zu einer Schwächung des Immunsystems durch Stressreaktionen, Fehler im Bestandsmanagement oder durch andere pathogene Erreger, wie z.B. BRSV oder Pasteurellen, können sich Mycoplasmen ausbreiten und Infektionen hervorrufen (Bovine Respiratory Disease Complex). M. bovis wird als primärer Wegbereiter für andere, bakterielle Keime wie Pasteurella multocida, Mannheimia haemolytica, Histophilus somni und Arcanobacterium pyogenes häufig übersehen, da eine Isolierung von M. bovis spezielle Nährmedien erfordert und dieser Erreger in der Routinediagnostik daher häufig nicht erfasst wird. 

Einige Mykoplasmen zeigen eine ausgeprägte Variabilität der Oberflächenproteine (variable surface proteins), die zu einer ständigen Änderung antigener Strukturen führt, wie sie beispielsweise für Mycoplasma hyorhinis und M. bovis beschrieben wurden. Dieses Phänomen erschwert es dem Immunsystem zu einer schnellen und vollständigen Heilung zu kommen. Belastend kommt hinzu, dass M. bovis in der Lage ist die Immunabwehr des Wirtes zu hemmen. Mittels 13 verschiedener Adhäsionsmoleküle kann es an die Wirtszelle docken und diese negativ beeinflussen. 

Mykoplasmen sind Erreger mit einem hohen Ansteckungspotential in der Herde, insbesondere als Mastitiserreger in Milchviehbeständen. Schon geringe Erregerzahlen genügen, um lang andauernde subklinische Euterentzündungen oder auch akute Euterentzündungen auszulösen. Typische Anzeichen sind plötzlich viele infizierte

Querschnitt Lunge: Katarrhalisch-eitrige Bronchopneumonie mit käsiger Nekrose verursacht durch Mycoplasma bovis 

Tiere in einer Herde mit klinischen Mastitiden ohne Störung des Allgemeinbefindens. Eine erhöhte Zellzahl kann auch eine Infektion andeuten. Bei trockenstehenden Kühen verläuft die Infektion meist unerkannt, kann aber nach dem Abkalben in die akute Phase übergehen. Therapeutisch werden nur sehr schwer bzw. keine Heilungserfolge erzielt. Spontanheilungen sind möglich, jedoch können diese Kühe subklinische Ausscheider bleiben und sollten als permanent infiziert betrachtet werden. Der wesentliche Risikofaktor für die Einschleppung von M. bovis in Milchviehbestände ist der Zukauf von infizierten Kälbern, Färsen und Milchkühen. Innerhalb eines Betriebes wird M. bovis über die Luft, die Milch erkrankter Kühe und über infiziertes Sperma übertragen. Für die Kälber besteht ein Gesundheitsrisiko durch das Vertränken von infizierter Milch. Daher sollte Milch, die mit Hemmstoffen oder Mastitiden belastet ist, auf keinen Fall an Kälber vertränkt werden. Weiterhin kann durch infiziertes Kolostrum oder nicht pasteurisierte Milch eine Übertragung von Mutter auf das Kalb stattfinden. Der klinische Ausbruch beim Kalb zeigt sich häufig auch erst Wochen später und kann insbesondere nach dem Transportstress und Zusammenstallen mehrerer Kälber aus unterschiedlichen Betrieben zu Problemen führen. 

Ein kommerzieller Impfstoff ist in Deutschland derzeit nicht verfügbar. Der Einsatz von stallspezifischen Bestandsvakzinen ist schwierig, da es zahlreiche Stämme von Mycoplasmen gibt und der Impfzeitpunkt in spezialisierten Betrieben meistens zu spät ist. 

Kälbertagung

Kälbertagung – Erkennung und Prophylaxe von Krankheiten

 Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, die Tierärztliche Gemeinschaftspraxis BSB und MSD Tiergesundheit laden Sie und alleInteressierten Ihres Betriebes herzlich zur BSB Kälbertagung in unsere Praxisräume ein.

Im Rahmen der Veranstaltung ist für Ihre Verpflegung gesorgt. 

Donnerstag, 24.10.2019
Beginn 18:00 Uhr
Tierärztliche Gemeinschaftspraxis BSB
Lohbecker Str. 9
49593 Bersenbrück

Themenschwerpunkte:

  • 18.00 Uhr: Begrüßung und Empfang, Eduard Debletz
  • 18.15 Uhr: Atemwegserkrankungen, Diagnostik, Impfung, Immunologie, Dr. E. Thesing
  • 18.45 Uhr: Pause, Essen, Trinken
  • 19.15 Uhr: Fütterung, Fütterungsfehler mit Fallbeispielen Georg Degen
  • 19.45 Uhr: Störungen des Magendarmtraktes und ihre Folgen, Fallbeispiele aus der Pathologie, Drs. Gerrit Strijkstra,

Kälberaufzuchtverluste kosten Potenzial 

Viele Krankheiten, vor allem in der Aufzucht, kosten den Landwirt viel Geld, Zeit und Nerven. Hinzu kommen die Leistungseinbußen bei den Zunahmen und der Futterverwertung. Jedes Kalb, das in jungen Jahren eine Durchfall- oder Atemwegserkrankung durchmacht, kann nicht mehr sein volles Leistungspotential ausschöpfen. Wie mit einfachen Managementmaßnahmen und gezielten Impfungen vorbeugend erfolgreich gearbeitet werden kann, wollen wir Ihnen gerne vorstellen. Melden Sie sich frühzeitig an!

Referenten

  • Georg Degen, RVG Raiffeisen Viehvermarktung GmbH
  • Dr. Egon Thesing, MSD Tiergesundheit
  • Drs. Gerrit Strijkstra, Tierarzt BSB

Anmeldung bis 20.10.2019
Anmeldeformular als PDF herunterladen

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