Krankheitsgeschehen
In einem Fresseraufzuchtbetrieb verweigerten von den 40 angelieferten Kälber 20 von Anfang an die Milchaufnahme.
Bei der tierärztlichen Untersuchung haben bereits einige Kälber ein reduziertes Allgemeinverhalten und Anzeichen von Koliken gezeigt.
Der Gesundheitszustand der Kälber hat sich schließlich rapide verschlechtert, sodass zusätzlich hohes Fieber von bis zu 41,5 °C hinzugekommen ist. Die Tiere lagen fest und waren dehydriert.
Ein Teil der Tiere zeigte Durchfall bzw. einige zeigten Teerstuhl, was auf eine Blutung im Labmagen hinweist.
Diagnostik und Untersuchung
Um die Ursache für das akute Krankheitsgeschehen zu finden, wurde eine intensive Diagnostik eingeleitet.
So wurden neben Kot- und Nasentupferproben auch Blutproben entnommen, um auch anzeigepflichtige Tierseuchen wie BHV-1 und das Blauzungenvirus auszuschließen.
Weiterhin wurden zwei verendete Tiere in unserer praxiseigenen Sektionshalle untersucht.
Bei beiden Tieren zeigte sich als Todesursache eine fibrinöse Peritonitis (Bauchfellentzündung), welche als Folge einer Abomasitis (Labmagenentzündung) mit Durchbruch der Magenwand entstanden ist.
Die Kälber erlitten eine Sepsis mit hohem Fieber und sind schließlich verendet.
Verlauf und Behandlung
Trotz intensiver tierärztlicher Behandlung der Einzeltiere mit Infusionen, Schmerzmittel und Antibiosen sind 12 Kälber aus dieser Partie verendet.
Alle zeigten dasselbe klinische Bild einer Labmagenentzündung bzw. eines Labmagendurchbruchs mit anschließender Peritonitis.
Mögliche Ursache
Als Ursache für dieses Krankheitsgeschehen ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine fehlerhafte Tränke während des Transportes anzusehen.
Möglich sind auch Rückstände von Reinigungs- oder Desinfektionsmittel, die sich noch auf dem Transporter befunden haben und von den Tieren aufgenommen worden sind.
Bedeutung der Sektion
Das Fallbeispiel zeigt die enorme Bedeutung der Sektion von verendeten Tieren, da das klinische Bild hier im Stall auch einer akuten Infektion der Atemwege ähnelt.
Die Behandlungen sind jedoch verschieden.
Bei gehäuftem Auftreten von Labmagenentzündungen sollten mögliche Managementprobleme im Fresseraufzuchtbetrieb ausgeschlossen werden.
Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!
Dr. W. Debletz

Bild 1: Übersicht Bauchhöhle mit Peritonitis (Kalb 1)

Bild 2: Fibrinöse Peritonitis aufgrund eines perforierten Labmagengeschwürs (Kalb 1)

Bild 3: Übersicht Bauchhöhle mit Peritonitis (Kalb 2)

Bild 4: Labmagenentzündung und perforiertes Geschwür (Kalb 2)