Coronaviren – auch in der Fresseraufzucht ein Problem?

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Coronaviren – auch in der Fresseraufzucht ein Problem?

Ein Fallbericht aus der Praxis

Der Betrieb:

Ein Fresseraufzuchtbetrieb mit 100 neu eingestallten Braunviehkälbern im Trockenstall am Milchautomaten

Das Krankheitsgeschehen:

Es verweigerten vermehrt Kälber die Milchaufnahme (ca. 15 % der Tiere). Das Allgemeinbefinden der Kälber verschlechterte sich zunehmend und einige Kälber entwickelten Fieber bis 39,8°C.

Teilweise kam Durchfall hinzu.
Plötzliche Todesfälle ab dem 4. Tag nach Einstallung

Das Vorgehen:

  • Wechsel des Milchpulvers – vom Nullaustauscher auf ein MAT mit 30% Magermilchanteil.
  • Behandlung gegen E. coli.
  • Bereitstellung einer Elektrolyttränke
  • Durchführung einer Sektion
  • Weiterführende Untersuchung der Lunge und des Dünndarms
Durchfallerkrankung
Äußere Ansicht: man beachte die kahle Stelle im Anusbereich, welche auf eine frühere Durchfallerkrankung hinweist.
Dünndarm
Dünndarm: hochgradige Entzündung mit Fibrinausschwitzung und hochgradiger Verdickung der Darmwand (Enteritis chronica hypertrophicans), Darmzottenatrophie

Die Befunde der Untersuchungen:

Bovine Coronavirus Real-Time RT-PCR

ErregerLungeDünndarmCt-Wert
BRSVNegativ
Parainfluenza 3Negativ
Mycoplasma bovisNegativ
Bovines RotavirusNegativ
Bovines CoronavirusPositivPositiv28,7
BVDNegativ
E. coliPositiv

Der Erreger:

Ein behülltes RNA Virus der Familie Coronaviridae, dessen Überlebensfähigkeit außerhalb eines Organismus gering ist.
Leicht durch Detergenzien inaktivierbar.
Ältere Rinder dienen als Erregerreservoir.

Da ein Virus nicht gerichtete „Anpassungen“ vornehmen kann, entstehen neue Eigenschaften durch zufällige Mutationen (Veränderungen im Erbgut) oder durch Rekombination verschiedener Coronaviren. Coronaviren haben durch ihre

fehleranfällige RNA-Polymerase, welche für die Vervielfältigung der Erbinformationen zuständig ist, eine hohe Mutationsrate.

In einer Studie von Oma et al. Virology Journal (2016) konnten keine RNA-Viren im Blut, jedoch noch nach 42 Tagen nach Infektion im lymphatischen Gewebe der Kälber nachgewiesen werden.

Die Klinik:

  • Das Bovine Coronavirus ist ein Mitverursacher des schweren Kälberdurchfalls bei Neugeborenen
  • Beteiligung am Rindergrippe-Komplex (BRDC: bovine respiratory disease complex)
  • Häufig auch nach Stresssituationen wie Transport oder Futterumstellung
  • Kommt überall in der Umwelt vor
  • Die Sterblichkeitsrate der Kälber kann bis zu 20% betragen
  • Rasante Virusvermehrung und -verbreitung
  • Verursacher der Winterdysenterie bei Kühen

Mögliche Prophylaxemaßnahmen:

  • Mutterschutzimpfung: Die Mutterkuh wird vor der Geburt mit einem Impfstoff gegen Neugeborenendurchfall (Rota und Corona Viren, E. Coli) geimpft. Die von der Kuh gebildeten Antikörper und Abwehrstoffe werden mit dem Kolostrum von dem Kalb aufgenommen und Schützen das Kalb vor Infektionen (passive Immunisierung).
  • Gründliche Reinigung und Desinfektion des Stalls nach jedem Durchgang
  • Zwischendesinfektion des Stallbodens mit Brandkalk

Die Behandlung:

  • Bereitstellung einer Elektrolytlösung
  • Behandlung der bakteriellen Sekundärerkrankung mit entsprechender Antibiose nach Resistenzlage
  • Behandlung des Fiebers mittels Fiebersenker und Schmerztherapie (Vorsicht Schleimhautreizung)
  • Zusätzliche Einzeltierbehandlung von schwer erkrankten Tieren mittels Infusion von Glucose Lösung, Natriumbicarbonat, physiologischer Kochsalzlösung und Vitaminen
  • Möglichkeit der Verabreichung kolostraler Antikörper
  • Isolierung von Kälbern mit hochgradigem Durchfall

Weiterer Verlauf:

Nach dem Wechsel des Milchaustauschers und einer angepassten Behandlung ging es den Kälbern einige Tage später besser. Die akut erkrankten Kälber (Darmentzündung) waren jedoch noch länger geschwächt und mussten weiterhin behandelt werden. Die Verlustrate in diesem Fallbeispiel lag bei 5%.

Eine akute Infektion mit dem Bovinen Coronavirus in diesem Lebensalter ist eher untypisch, wird aber in der Praxis immer häufiger beobachtet. Eine bakterielle Sekundärinfektion verschlimmert das Krankheitsbild zusätzlich. Als Therapie kommen bei viralen Infektionen nur symptomatische Behandlungen in Betracht. In anderen Fällen kam es auch zu starkem Durchfall, der bis zu 2 Wochen andauerte.

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Foto: Tierarzt R. Enache bei der Durchführung einer Infusionstherapie

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